Archiv des Autors: Lara

Workshop: Die Stadt malen

DIE STADT MALEN

Ein philosophisch-experimenteller Vermittlungsworkshop

18.10.2021 – 22.10.2021

„Wir suchen Spuren. Wir gehen vor und zurück. Wir nehmen uns Zeit. Wir denken uns weg. Wir denken uns hinzu. Wir tragen Schichten auf und ab. Wir übermalen. Wir legen frei. Wir verändern.Wir denken über das nach, was abwesend ist. Wir erschaffen neue Kontexte und erfinden alternative Funktionen. Wir erkunden den (Stadt-)raum und seine Sprache. Wir stellen Fragen. Wir widersetzen uns.“

WANN: 18.10.2021-22.10.2021, jeweils vormittags
WER: Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren
WO: galerie weißer elefant / Auguststraße 21
Anmeldung und Information: vreda.marschner@gmail.com
Die Teilnahme ist kostenfrei

In verschiedenen Aktionen innerhalb der Stadt und in der galerie weisser elefant nähern
wir uns experimentierend dem Werk des französischen Künstlers Matthieu Martin.
Geplant sind vier Aktionstage — zwei Tage in der Galerie und zwei Exkursionstage im
galerienahen Stadtgebiet — sowie abschließend ein Präsentationstag.
In dem Workshop geht es ums Erkunden und Ausprobieren, um Neugier und Lust
am Spielen und Gestalten. In Auseinandersetzung mit den Werken des Künstlers wollen
wir herausfinden, inwiefern Kunst zur Neuentdeckung des eigenen Alltags beitragen kann.
In Stadterkundungen wollen wir auf möglicherweise bisher noch nicht bewusst
wahrgenommene Regeln und Strukturen aufmerksam machen, die den eigenen Alltag
bestimmen, und auf Augenhöhe mit den Kindern zu Fragen rund um das städtische
Zusammenleben anregen.
Im Zusammenspiel von Photographie und vielerlei Farben entstehen selbst
gestaltete Plakate, mit denen die Kinder ihren eigenen Wünschen, Vorstellungen, Fragen
und Antworten zu ihrem alltäglichen Stadtraum Ausdruck verleihen können.

Das Vermittlungsprogramm wird ermöglicht durch den Bildungsverbund „Educationnetzwerk der kommunalen Galerien“ und gefördert durch das Programm „Lokale Bildungsverbünde nachhaltig sichern und stärken“ der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie.

Workshopleitung:
Felix Janiszewski, Vreda Marschner, Johannes Richter

Begleitend zur Ausstellung:
Matthieu Martin — ZURÜCK BLEIBEN
2.10.2021 – 6.11.2021
www.galerieweisserelefant.de
In Kooperation mit dem Fachbereich
Kunst, Kultur und Geschichte des Bezirksamts Mitte von Berlin

ZURÜCK BLEIBEN 2. 10. – 6. 11. 2021

MATTHIEU MARTIN – ZURÜCK BLEIBEN

2. 10. – 6. 11. 2021

ERÖFFNUNG: SAMSTAG 2. 10. 2021 │ 13 – 19 UHR

 

Matthieu Martin scheint als Künstler „verrückt“ zu sein, wie man einen Stuhl verrücken kann oder – in größerem Maßstab: die Welt aus den Angeln heben. Dabei entstehen die Sprünge in seinem Werk gerade aus dem Interesse an eben dieser Welt, im Großen wie im Kleinen. Und immer ist in der Begegnung mit ihm, dem Werk, auf beides zu achten: Distanz und Nähe zugleich.

Allein die „Sprünge“ können ganz Verschiedenes bedeuten, sprichwörtlich eben wie der „Sprung in der Schüssel“ für einen, der etwas „neben der Tasse“ steht, die wiederum auch einen Sprung haben kann und, so hübsch sie sonst auch sein mag, einfach unbrauchbar ist.

Gleiten wir ab? Ja, genau wie den Künstler die Bedeutungen „neben der Spur“ interessieren: die Absperrungen zum Beispiel, die uns von wertvollen Kunstwerken trennen und diese vor uns schützen sollen. Dabei fällt ihm auf, dass etwas auch deshalb wertvoll scheinen oder gar werden kann, weil es nicht erreichbar ist.

Der Abstand kann dafür nicht selbst verantwortlich sein, denn dann müsste in uns das Gebot der Distanz sofort für jeden fremden Menschen mehr Achtsamkeit erwecken. Oft aber scheint genau das Gegenteil wahr zu sein. Also muss wohl die Intimität zum anderen den Ausschlag geben, wie stark uns die Trennung von ihm berührt. Weiter Entfernte bleiben dagegen nicht nur fremd, sondern werden gern noch mehr auf Abstand gehalten als zuvor. Überraschend näher kommt uns trotzdem das Leid der anderen, wenn es nur weit genug wegbleibt – eine überaus überraschende Regung des menschlichen Gemüts.

Diese Gedanken führen nicht von der Kunst weg, sondern vielmehr zu ihr hin. Denn es gilt heute mehr denn je die Frage, wie Emotionen zu vermitteln sind zwischen Resignation und Zuversicht, für die es wohl zugleich keinen oder jeden Grund gäbe. Die Arbeit von Matthieu Martin wird in diesem Sinn wirksam, dass sie die Aufmerksamkeit auf Details wie zugleich auf größere Zusammenhänge verlangen und fördern kann. Sie sind allgemein auf Steigerung von Aufmerksamkeit aus, wie wir es auch von komplizierten Musikstücken und anderen avancierten Werken kennen.

Man kann in einem (nicht nur) profanen Sinn von einer Kunst der Offenbarung sprechen, weil sie unsere Sinne auf die Wahrnehmung von Zusammenhängen des Großen & Ganzen richtet, die wir sonst nur allzu gern verdrängen. Philosophische Texte reagieren schon sehr viel länger auf solche Fragen, seit dem Beginn des Industriezeitalters. Völker mit natürlich gebliebenen Wurzeln im ursprünglichen Wissen um die Kräfte und Balancen des Kosmos mahnen gar seit dem Beginn der „Zeit“, diese Welt mit Liebe zu achten.

In einem dagegen vielleicht banalen, aber sehr schönen Text zum Ende unserer Existenz sagt Peter Trawny („Ins Wasser geschrieben“), der zum Weltenende nicht ganz zu Unrecht auch Ausbrüche von Gewalt befürchtet: „Die Gemeinschaft des Todes könnte in eine einzigartige Gemeinschaft der Verlorenen, der Liebe umschlagen. Unendliche Zuwendung – alles wäre Abschied, alles Nähe, alles Verlust. Wir würden die letzten Entscheidungen frei treffen. Aber es wird zu spät gewesen sein“. Wir sind so frei…

A/SYNCHRON

Installation von Aurélie Pertusot

04.09.-25.09.2021

Performance: 18.09.21 19 Uhr

Die Veranstaltung findet im Rahmen des KW-Jubiläums statt und wird gefördert durch Draussenstadt.

Die Veranstaltung findet draußen im Hof des Museums statt und ist entgeltfrei. Wir arbeiten auf Grundlage der geltenden Fassung der SARS CoV 2 Infektionsschutzmaßnahmenverordnung. Weitere Informationen finden sie unter: www.berlin.de/corona/massnahmen/verordnung

Im Orchester der Elemente

Immer bewegt sich die Kunst von Aurelie Pertusot zwischen Objekten und deren Gebrauch zur Erzeugung von optischen und akustischen Effekten. Damit steht sie in einer Tradition der Performance in ganz ursprünglicher Geltung des Wortes, denn es meint buchstäblich ein Interpretieren, bezogen auf genau das, was aktuell vorhanden ist. Mit dieser Arbeit versucht die Künstlerin gar nicht erst, uns ihre Welt zugänglich zu machen, denn sie tritt direkt in den Raum ein, den wir miteinander teilen, die Welt unseres „Spielraums“, in dem das Dasein längst kein Spiel mehr ist.

Zeitgemäß skeptisch verbindet sich ihr Kalkül mit dem Abschied vom Kult der Maschine, indem sie den üblich gewordenen Technik-Park kultureller Events gewissermaßen mit einem auf das altehrwürdige Waschbrett (franz.: Planche à laver) oder die „Singende Säge“ reduziertem Equipment kontert. Die Beispiele sind natürlich sprichwörtlich gemeint. Aber jedes Glas, alltägliche Schnüre, Drähte, Schrauben, auch jedes Detail im Raum wird zum Instrument, jedes Ding ist ein freier Solist im Ensemble seines Umfelds, dem Orchester der Elemente.

Performative Kunst kann in diesem Sinn durchaus als Auflösung von Barrieren verstanden und wirksam werden, Unterminierung von Autorität zugunsten einer allgemein verbindli-chen, jedem zugänglichen Öffnung und damit der Demokratisierung des kreativen Aktes. Von Hegel wissen wir zudem, dass der Klang das Äußerliche negiert, im Gegensatz zur Optik. Denn das Gesehene reflektieren wir im Außen, das Gehörte aber in uns selbst! So erscheinen uns Töne stets als etwas Eigenes, tiefer Empfundenes, „jenes innere Erzittern des Körpers“ (Hegel, Ästhetik).

Daher ist die Atmosphäre einer Aufführung so entscheidend, eine Stimmung, am ehesten mit dem Atem der Erde, der schwingenden Luft, dem Fall von Blättern zu assoziieren. Der Zusammenklang von einfach ALLEM wirkt wie eine Befreiung vom Zwang zu Unterscheidung und Bewertung. Der Performance entströmt ein Zauber, der eine tiefe innere Ruhe schenkt. Alles wird magisch. Hier denken wir an die Geschichte des buddhistischen Meisters, der von einem seiner Schüler gebeten wird, ihm nach langer Zeit der Studien doch endlich eine Antwort auf alle seine Fragen zu geben. Der Meister sagt nur: „Hör zu!“ – und schweigt…

Nathanaël R. Bartholomäus

[FR]

Dans l’orchestre des éléments

L’art d’Aurélie Pertusot se situe toujours entre l’objet en tant que tel et les effets optiques et acoustiques qu’il permet de produire. Ce faisant, l’artiste s’inscrit dans une tradition de la performance au sens original du terme, qui désigne littéralement l’interprétation de ce qui est présent à un moment donné. Avec cette intervention, elle ne cherche nullement à rendre son univers accessible, puisqu’elle investit directement l’espace que nous partageons tous, un « terrain de jeu » dans lequel l’existence a depuis longtemps cessé d’être un jeu.

Empreint d’un scepticisme caractéristique de notre époque, son calcul se conjugue au rejet du culte de la machine en opposant en quelque sorte aux nouvelles technopoles de l’événementiel culturel des dispositifs désuets qui se cantonnent à l’antique « planche à laver » ou à la « scie chantante ». Ces exemples sont évidemment à prendre au sens figuratif. Mais chaque verre, chaque corde, fil ou vis, chaque détail dans l’espace se fait instrument, chaque objet est un soliste libre dans le chœur formé par son environnement, dans l’orchestre des éléments.

En ce sens, l’art de la performance peut tout à fait être envisagé et fonctionner comme une manière de brouiller les frontières en ce qu’il sape l’autorité de l’exécutant au profit d’une ouverture universelle, d’une accessibilité à tous et, partant, d’une démocratisation de l’acte créatif. Hegel nous apprend par ailleurs que le son, contrairement à l’optique, nie le dehors. En effet, si tant est que nous reflétons en-dehors de nous ce que nous voyons, nous reflétons en nous ce que nous entendons ! Ainsi les sons nous paraissent toujours comme quelque chose qui nous est propre, quelque chose de plus profondément ressenti, un « tremblement intérieur du corps » (Esthétique ou philosophie de lart).

C’est pour cette raison que l’atmosphère de la performance est si décisive – une ambiance que l’on pourrait au mieux comparer au souffle de la terre, à la vibration de l’air, à la chute des feuilles. L’harmonie du tout nous affranchit de la nécessité de différencier et d’évaluer. De la performance émane une magie qui suscite en nous un profond apaisement intérieur. Tout devient magique. Rappelez-vous l’histoire du maître bouddhiste à qui l’un de ses élèves demande de lui donner enfin une réponse à toutes ses questions après tant d’années d’études. Le maître lui répond : « Écoute ! », puis se tait…

Nathanaël R. Bartholomäus

 

 

 

RAUM ERMESSEN 21.8. – 25.9.21

Pascal Brateau…

… versucht das schier Unmögliche: den Raum zu falten; etwas Unsichtbares. Es geht ihm nicht um Objekte, die sich im Raum befinden, sondern solche, mit denen der Raum selbst fühlbar wird, berührbar. Dazu sagt er: Man kann den Raum nur verstehen, wenn man sich an ihm misst; wobei „se mesurer“ auf Französisch zwar messen bedeutet, aber zugleich konfrontieren, begegnen, im Sinne von entgegentreten, trotzen…Ein schöner Gedanke: dem Raum zu trotzen, ihm das als Künstler abzutrotzen, was man zu sagen hat. Das bedeutet nichts weniger als sich behaupten, in einem Raum, der immer auch sozial determiniert ist, als Freiraum, Eigenraum, Spielraum, öffentlich wie privat.

Der Raum, könnten wir mit dem großen Sun Ra sagen, der bekanntlich selbst große Räume überwunden hat, weil er vom Saturn stammt, ist überhaupt DAS große Ding: Space is the Place. Pascal geht viel pragmatischer vor, nutzt daher auch die naheliegenden Elemente: Hell und Dunkel, Innen und Außen, Fülle (Form) und Leere. – Lukas Feireiss *, Autor und Kurator, betont so einfach wie bedeutsam, dass die Begriffe Raum und Ort verschiedene Konzepte repräsentieren, zwischen denen eine dynamische Beziehung besteht. Genau das macht auch die Spannung aus, in der Pascal Brateau den persönlich beanspruchten Raum mit einem Ort konfrontiert, an dem sich seine Arbeit behaupten soll.

Das ist keine einfache Besetzung oder Beanspruchung des Raums, sondern eine sehr subtile In-Anspruchnahme, ein Ansprechen, Einnehmen, Begreifen und Respektieren, so taktvoll, wie es sich ihm gegenüber gehören sollte, dem ungreifbaren Ort, dem Platz, der uns trägt, aufnimmt und überhaupt existieren lässt. Oder genauer: nicht gegenüber, sondern in und mit ihm, auch wenn wir ihm dabei oft unser eigenes Dasein abtrotzen müssen, ihm, dem gänzlich Ungreifbaren.

Der Künstler stellt sich dem Raum, er stellt, hier ganz wörtlich, sein Haus hinein, ein Zeichen, das über sich hinausführt, aber nicht auf etwas Anderes, sondern in Rückkehr zu sich selbst wiederum auf ein Bild, Bild vom Haus: künstlerisch aufgeladen, gefüllt wie ein Speicher der Ideen, ein Mittelpunkt, die innere Werkstätte der Ideen. Es ist, mit der wohl schönsten Definition für Kunst, „die erfüllte Äußerung der sich kundgebenden Innerlichkeit“ (Hegel).

Nathanaël R. Bartholomäus

*Herausgeber Space is the Place, Current Reflections on Art and Architecture. München 2018/19

Pascal Brateau studierte Architektur in Nancy und Toulouse. Er ist Mitbegründer des Studios dbdarchitects. Seit 2010 lebt er in Berlin und engagiert sich im Kulturverein Werkstadt e.V.. Mit der Künstlerin Aurélie Pertusot gründete er virgule3, ein Projekt, das die Vernetzung von Berliner und französischen Künstler:innen unterstützen soll.

RAUM ERMESSEN
Pascal Brateau
21.8. – 25.9.2021
Eröffnung: Samstag, 21.8. 13-19 Uhr
galerie weisser elefant
Auguststrasse 21
10117 Berlin

 

WIE IM HIMMEL 17.4.-22.5.21

mit:
JEONGMOON CHOI
PATRICIA DETMERING
ALICE DITTMAR
VEMO HANG
BETTINA KHANO
ANDREAS SCHMID

Mariana Vassileva

In Licht gehüllt wie mit einem Kleid,

Spannst du den Himmel wie ein Zelt.

(Ps. 104)

Der Begriff Himmel besteht in einer seltsamen Symbiose aus Gleichnis & Firmament, steht für Seligkeit und Wonne, Glück, Behagen, Frohsinn, aber auch für die Lufthülle mit einem finsteren Dunstkreis und labilen Ozonschichten, letztlich als ein Gebilde von insgesamt acht Strato- und Exosphären, durch die man zwar reisen, aber gewiss nicht sinnlich wandeln kann. Unsicher wird man schon bei der Frage, ob es mit den erwähnten Gefühlen darum geht, in den Himmel zu gelangen oder sie dort zu finden.

Mit dem Spruch „Wie im Himmel, so auf Erden“ wird es noch kniffliger, wenn wir uns damit begnügen wollen, das so angesprochene Gebiet außerhalb von uns selbst zu suchen. Denn den durchaus besseren Teil dessen, was wir Himmel nennen, finden wir weder symbolisch noch räumlich, sondern in positiven Erfahrungen wie Klarheit und Reinheit, um nicht von Weisheit zu sprechen. Dass der Himmel, wie schon angedeutet, in seiner Zwitterstellung nicht immer den besten Ruf genießt, kann einen ernsthaft Suchenden in seiner Grundhaltung von Empathie und Geduld nur wenig erschüttern.

Genau darum, um eine Suche, geht es uns mit dem Thema der Ausstellung: im Blick „hinauf“ und von da herab auf unser meist beschränktes Dasein. Oben und Unten sind dabei wiederum auch Metaphern für mentale und psychische Einstellungen. Wobei am interessantesten stets der unvoreingenommen klare Blick auf sich selbst sein dürfte, gewissermaßen wie nur ein Heiliger, „der das Licht um sich schlingt wie ein Tuch“, mich Erdenwürmchen sehen oder kennen dürfte.

Die Ausstellung sollte im Ganzen wirken, weshalb wir auf die Beschreibung einzelner Werke verzichten. Gemeinsam ist ihnen eine Sicht, Erscheinungen des Himmlischen als Perspektive zu verstehen und Momente zu erfassen, in denen Konstellationen der physisch grundlegenden Erfahrung gewissermaßen auf konkret erlebbare Realität schalten. „Die wirkliche Welt“, sagt Emmanuel Levinas, „ist die Welt des Bewusstseins“. Und unsere Anschauung ist „nur“ der objektivierende Akt, der alles erscheinen lässt. Die vorgestellten Arbeiten können daher der Phantasie Räume eröffnen, in denen sich alles erschaffen lässt, was uns mit dem Himmel oder seiner phantastischen Erscheinung verbindet.

Ein wahres Bewusstsein ohne Erleben, also ohne luzide Wachheit, ist unmöglich. Das dumpfe Dabeisein gleicht dem Schlaf der Vernunft. Es geht hier um Wachheit, Wahr-Nehmen des Augenblicks. Nur darin kann etwas „himmlisch“ frei sein von all den Sorgen, Plänen und Erinnerungen, die uns sonst gefangen halten. Und alles, was wir bewirken wollen oder können, sehen wir zuvor und zuerst in einem „anderen Licht“. So kann über uns ein freier Himmel erscheinen, gerade jetzt, hier auf Erden. [Sela!]

Nathanaël R. Bartholomäus

Die Verständigen werden strahlen,

wie der Himmel strahlt.

(Daniel 12,3)

Alice Dittmar

[EN]

Wrapped in light like a dress,

You stretch across the sky like a tent.

(Ps. 104)

The term heaven denotes a strange symbiosis of parable and sky: it stands for bliss and delight, happiness, pleasure and cheerfulness, but also for the hazy atmosphere comprised of unstable ozone layers, consisting of a total of eight stratospheres and exospheres which one can travel through, but certainly not wander around sensuously. One becomes uncertain at the question whether, when considering the sentiments mentioned, it is about reaching heaven or finding them there.

With the saying „As in Heaven, so on Earth“ it becomes even trickier if we want to be content with looking outside ourselves for the domain thus addressed. For we find the better part of what we call heaven neither in the symbolic nor the spatial, but rather in positive experiences such as clarity and purity, not to mention wisdom. The fact that heaven, as already indicated with its hybrid status, does not always enjoy the best reputation, can only slightly shake a serious seeker in her fundamentally empathetic and patient approach.

This searching is precisely the theme of the exhibition: we look „up“, and from there down at our most limited existence. Up and down are in turn metaphors for mental and psychological attitudes. The most interesting thing is hereby always the unprejudiced, clear view of oneself: it is, as it were, just like a saint, „who wraps the light around himself like a cloth“, can see or know me, little earth worm.

The exhibition should work as a whole, which is why we refrain from describing individual works. What they have in common is the understanding of appearances of the celestial as perspectives and the intention to grasp moments in which constellations of fundamentally physical experiences switch, so to speak, into a concretely perceptible reality. „The real world“, says Emmanuel Levinas, „is the world of consciousness“. And our perception is „only“ the objectifying act that makes everything appear. The works presented can therefore open up spaces for the imagination in which anything can be created that connects us to the heavens and its fantastic appearance.

True consciousness without experience, that is, without lucid wakefulness, is impossible. Dull presence is like the sleep of reason. What we are concerned with here is wakefulness, perceiving the moment. Only in wakefulness can a „heavenly“ experience be free of all the worries, plans and memories that otherwise hold us captive. And everything that we want to or can bring about, we see first and foremost in a „different light“. Thus, the heavens can open to us, right now, here on earth. [Selah!]

Nathanaël R. Bartholomäus

Those who understand will shine,

like heaven shines.

(Daniel 12:3)

Jeongmoon Choi

Le Pli

Aurélie Pertusot

Ausstellung: 15.8. – 19.9.2020

Sound-Performance: » sounds with no genre «: 10.9.2020 18 Uhr im Innenhof

„Die Einheit der Materie, das kleinste labyrinthische Element, ist die Falte, nicht der Punkt.“ Gilles Deleuze

©Elma Riza

Le Pli/ Die Falte: Ein beliebtes Thema seit dem berühmten Buch von Gilles Deleuze, jetzt als Kunstwerk, das Zeichen setzt. Einfacher, effektiver, aber auch signifikanter geht es nicht: die Falte im Raum!

„Le Pli“ ist ein Zwischenraum und wurde für die Ecke dieses Gebäudes entworfen. Der Installation liegt die Idee zugrunde, dass ein Winkel als unendlicher Raum betrachtet werden kann.
Als leichte Erweiterung eines massiven Gebäudes verwandelt sie die Wahrnehmung dieses Ortes und lässt eine Beziehung zwischen unserem Körper und dieser Architektur entstehen.

©Elma Riza

Die Arbeiten von Aurélie Pertusot verändern unsere geläufige Raum- und Zeitwahrnehmung, indem sie die Bezugspunkte verdreht und so auf eine unsichtbare, zugrundeliegende Realität aufmerksam macht. Sie erforscht die Übergänge von An- und Abwesenheit und spielt gleichzeitig mit Instabilität und Zerbrechlichkeit.
Ihre Installationen und Performances benutzen die vorhandene Architektur, um Formen und Räume zu erzeugen: sie offenbaren unsichtbare Räume, die bereits in der Vertiefung vorhanden sind. Dabei setzt Aurélie Pertusot auf alltägliche Materialien wie Seile, DIN A4-Papier oder Gläser.

©Elma Riza

©Elma Riza

 

 

Laure Catugier

Ausstellung: 26.9. – 31.10.2020

„Mit festen Schultern steht der Raum gestemmt gegen das Nichts. Wo Raum ist, da ist Sein.“ Friedrich Nietzsche

 

 

Laure Catugier erforscht die Beziehungen zwischen Raum, Bild und Ton. Über verschiedene Medien hinterfragt sie Wahrnehmung und Darstellung von Räumlichkeit, untersucht die Funktionalität von Architektur und urbanen Räumen in der globalen Standardisierung des Bauens.

Laure Catugier (1982, Toulouse, Frankreich) lebt und arbeitet in Berlin. Sie schloss ihr Studium an der École d‘Architecture de Toulouse (2005) und der École des Beaux-Arts de Toulouse (2007) ab.

In ihrer Arbeit hinterfragt sie den Einfluss von Architektur und Design auf die Menschen und den sozialen Bereich innerhalb lokaler Kontexte.

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Laure Catugier explores the relationships between space, image and sound. Through diverse media she questions the perception and representation of spatiality, examines the functionality of architecture and urban spaces in the global standardisation of construction.

Laure Catugier (1982, Toulouse, France) lives and works in Berlin. She graduated from the École d’Architecture de Toulouse (2005) and the École des Beaux-Arts de Toulouse (2007).

Her work interrogates the influence of architecture and design on the people and the social realm within local contexts.