Zwischen Ausgängen

Ausstellungsdauer: 6.8.19 – 15.9.19 

Vanessa Farfán, Moritz Frei, Lilian Robl, Daniele Sigalot, Ruth Wolf-Rehfeldt,
Archiv der Anonymen Zeichner, Archiv der enttäuschten Erwartung,
Mail Art Archiv von Ruth Wolf-Rehfeldt und Robert Rehfeldt,
Werkbundarchiv – Museum der Dinge

kuratiert von Julia Heunemann

Eröffnung, Samstag, 3.08.2019 um 19 Uhr
Ausstellung: 6.8.2019 – 15.09.2019

Aktueller Artikel über die Ausstellung in der taz:  „Nicht Anfang  und nicht Ende“
von Lorina Speder, 6.8.2019

Artikel: Link

Begleitprogramm

Di, 3.9., 18 Uhr
»(Un-)bestimmte Ausgänge«
Ausstellungsrundgang mit den beteiligten Künstler*innen
Performance von Vanessa Farfán

Sa, 7.9 und Mi, 11.9., 18:30 Uhr
»Metamorphoses. Questioning our state«
Performance von Soline Krug in englischer Sprache

So, 15.9., 13 – 19 Uhr
Verkauf der ausgestellten Arbeiten aus dem Archiv der Anonymen Zeichner
(Sonderöffnung anlässlich der Berlin Art Week)

Pressemappe dt: Link

Presskit en: Link


© Moritz Frei, Meine erste Tasse Kaffee, 2017_Filmstill.

Zwischen Ausgängen

de/

Wenn gesichertes Wissen nicht oder noch nicht zu haben ist, dann sind wir auf andere Formen der Erkenntnis angewiesen. Erwartung liegt vor der Erfahrung, sie lässt sich aber auch selbst erfahren. Doch was genau liegt zwischen einer Ausgangssituation und ihrer Lösung, dem Ausgang der Situation?

Unter dem Titel „Zwischen Ausgängen“ erkundet die Ausstellung die Schwindeligkeiten von Spekulationen, die Vorwegnahme von Erfolg oder Scheitern und die vorübergehenden oder permanenten Leerstellen unseres Wissens. Die versammelten künstlerischen Positionen, Projekte und Dinge reflektieren Momente des (noch) nicht eingetretenen Falls (der Erkenntnis) sowie die epistemischen Öffnungen, die Dinge, Projekte und andere Äußerungen von Sinngehalt, Wissbarkeit oder Wirksamkeit suspendieren, die sie unberechenbar oder unwägbar werden lassen. Dabei eröffnen sie selbstreflexive Perspektiven auf ihre Produktionsbedingungen, ihre Zirkulation und auf die Wertzuschreibungen, die ihnen unterdessen widerfahren.

So erklären die Skulpturen aus der Serie „Totem“ von Daniele Sigalot verworfene Ideen – also all jene Ideen, die bestimmten Erwartungen an künstlerische Arbeiten nicht entsprochen haben – zu ihrem wesentlichen Bestandteil. Die Videoarbeit „Meine erste Tasse Kaffee“ von Moritz Frei versucht, die sinnlichen Qualitäten von Kaffee beschreibbar zu machen. Sie spielt dabei mit den Projektionen des Künstlers ebenso, wie mit denen ihres Publikums.

Die Verhältnisse von Erwartung und Kommunikation geraten besonders dann unter Spannung, wenn Dialoge zwischenzeitlich suspendiert werden, wie im Fall der künstlerischen Positionen aus dem Mail Art Archiv von Ruth Wolf-Rehfeldt und Robert Rehfeldt. Die aus aller Welt in die DDR versendeten Arbeiten waren auf dem Postweg dem Zugriff ihrer Absender*innen und Empfänger*in entzogen. Noch ungewiss ist dagegen die finale Destination der präsentierten Schreibmaschinenzeichnungen der Mail Art Künstlerin Ruth Wolf-Rehfeldt. Ihre subversiven Botschaften loten die künstlerischen Potenziale des mittlerweile in die Jahre gekommenen Kommunikationsmittels aus und entwickeln dabei eine außergewöhnliche visuelle Poesie.

Im Archiv der Anonymen Zeichner bleiben die Künstler*innen so lang anonym, bis ihre Arbeiten den Ausgang aus dem Archiv gefunden haben: Bekanntgegeben werden die Namen erst nach dem Verkauf der Zeichnungen am letzten Ausstellungstag (Sonntag, 15. September). Bedeutungs- und Wertzuschreibungen verhandeln auch die präsentierten Objekte aus dem Werkbundarchiv – Museum der Dinge. An ihre Rätselhaftigkeit und die damit verbundene Offenheit knüpft sich der Gedanke, welche Fragen Dinge aufwerfen und welche Erwartungen wohl Objekte an uns stellen.

An den Schnittstellen von Analogem und Digitalem angesiedelt, wird die Rauminstallation, in die Vanessa Farfán ihre Maschine „Modell 5052“ eingebunden hat, zu einem Labor zur Erforschung der Kontingenzen und Zufälligkeiten sowie der Ausgänge von technischen Prozessen. Auch unsere Erkenntnisprozesse unterliegen unberechenbaren Strukturen. Und welche Effekte dies haben kann, zeigt sich in den Szenarien, die die Videoarbeit „Abschweifung“ von Lilian Robl entspinnt. Das Archiv der enttäuschten Erwartung schließlich weiß eine Menge darüber zu erzählen, was es mit dem Scheitern von Erwartungen auf sich hat.

Pending Issues

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If assured knowledge is not available, or at least not yet, then indeed we are dependent on other forms of knowledge. Expectation precedes experience, but expectation also constitutes an experience in and of itself. So, what exactly is it that lies between the situation at the outset and its resolution, the outcome of the situation?

Under the title “Zwischen Ausgängen – Pending Issues,” the exhibition critically examines the dizziness of speculation, the anticipation of success or failure, and the temporary or permanent gaps in our knowledge. The gathered artistic positions, projects and objects reflect moments of (cognitive) events that have not (yet) occurred. They focus on the epistemic openings which suspend objects, projects and other utterances of meaning, knowledge or effectiveness; the elements that render them unpredictable or incalculable. In doing so, they open up self-reflexive perspectives on the conditions of their production and circulation, and on the values that are ascribed to them along the way.

It is rejected ideas that form the basic elements of Daniele Sigalot’s sculpture series “Totem” – ideas that have failed to meet certain expectations held to artistic works. Moritz Frei’s video work “Meine erste Tasse Kaffee” (My First Cup of Coffee) attempts to make describable the sensual qualities of coffee. At the same time, the work plays with the projections of the artist as well as with those of its viewers.

The relationships between expectation and communication are exposed to particular tension when dialogues are temporarily suspended, as exemplified with the artistic positions from the Mail Art Archive of Ruth Wolf-Rehfeldt and Robert Rehfeldt: While en route, the mailed art works were inaccessible both for their senders from all over the world and for their recipients in the GDR. In the case of the so called “typewritings” presented by Mail Art artist Ruth Wolf-Rehfeldt, the final destination is uncertain. Their subversive messages explore the artistic potentials of the since outdated communication medium, thereby developing an extraordinary visual poetry.

In the Anonymous Drawings Archive, the artists remain anonymous until their works have been released from the archive: Their names will be announced only after the drawings have been sold on the exhibition’s closing day (Sunday, 15 September). The objects from the Werkbundarchiv – Museum der Dinge (Werkbund Archive – Museum of Things) also invite us to reconsider ascriptions of significance and value. Their mysteriousness and the coinciding openness put into perspective the questions posed by things and the expectations objects might actually have of us.

Poised at the intersection of analog and digital, the installation, into which Vanessa Farfán has integrated her machine „Model 5052,“ becomes a laboratory for researching the contingencies and coincidences as well as the outcomes of technical processes. However, also our cognitive processes are subject to unpredictable structures. The potential effects of this can be seen in the scenarios that unfold in Lilian Robl’s video work “Abschweifung” (divagation). Finally, the Archiv der enttäuschten Erwartung (Archive of Disappointed Expectation) knows a lot about what it means when prospects fail.

 

»Zwischen Ausgängen« ist eine Ausstellung der Reihe »Ausstellungen für ein spekulatives Publikum« im Jahresprogramm 2019 der galerie weisser elefant. Erarbeitet wurde die Reihe von einem Kuratorium, das sich aus Medien- und Kulturwissenschaftler*innen sowie Künstler*innen zusammensetzt. Das Programm bezieht sich auf die philosophische Strömung des Spekulativen Realismus, der einen offenen Blick auf die Wirklichkeit ins Zentrum der Betrachtung rückt, anstatt sich ausschließlich auf die menschliche Weltsicht zu beschränken.

Die Ausstellung „Zwischen Ausgängen“ wird unterstützt durch den Bezirkskulturfonds Mitte, den Ausstellungsfonds für kommunale Galerien der Senatsverwaltung für Kultur und Europa sowie durch Mittel des Arbeitskreises Kommunale Galerien Berlin. Vanessa Farfáns Beitrag zur Ausstellung wird gefördert durch die Mart Stam Gesellschaft.

»Zwischen Ausgängen – Pending Issues« is part of the exhibition series »Ausstellungen für ein spekulatives Publikum« (Exhibitions for a Speculative Audience) in galerie weisser elefant’s program of 2019. The exhibition series was prepared by a curatorium consisting of Media and Cultural scientists as well as artists.

The exhibition “Pending Issues” is supported by the Bezirkskulturfonds Mitte, the exhibition fund for municipal galleries of the Senate Administration for Culture and Europe, as well as funding from the Working Group of Municipal Galleries Berlin. Vanessa Farfán’s contribution to the exhibition is supported by the Mart Stam Gesellschaft.