THE RELATIVE NAIVE

Ausstellungsdauer: 9.11.19 – 21.12.19 

Mit Hank Yan Agassi, Lupo Borgonovo, Jesse Darling, Ofri Lapid,
Jumana Manna, Pedro Neves Marques, Adrien Missika,
Gabriel Rosell Santillan, Farkhondeh Shahroudi, Kathrin Sonntag

Kuratiert von Sarah Ancelle Schönfeld und Ashkan Sephavand

Eröffnung, Samstag, 9.11.2019 um 19 Uhr
Ausstellung: 9.11.2019 – 21.12.2019

 


The Relative Naive pair 2

 

THE RELATIVE NAIVE

de/
The Relative Naive ist eine Ausstellung, die Austausch, Kommunikation und Übersetzung zwischen verschiedenen Perspektiven erkundet. Sie ist eine künstlerische Antwort auf die Arbeit des brasilianischen Anthropologen Eduardo Viveiros de Castro, der sich eingehend mit den Amerindian Communities im Amazonasgebiet beschäftigt hat. Seine Schriften untersuchen, wie indigenes Denken den brutalen Dualismus infrage stellt, der so zentral für die westliche ‚Moderne‘ ist. – Natur und Kultur, menschlich und nichtmenschlich, Beobachter und Beobachteter.

Viveiros de Castro’s Hauptthese beschreibt innerhalb der Kosmologie der Amerindians das Menschsein als eine Angelegenheit der Perspektive. Es ist eine übertragbare Form und ein Akt des Verhandelns. Er nennt dies ‚Perspektivismus‘, eine ontologische Neufassung des ‚Menschlichen‘ weit über irgendeine spezifische Verkörperung hinaus. Das Menschliche ist eine bestimmte Perspektive, verstreut zwischen Daseinsformen in der Welt. Es wird erst offensichtlich wenn diese Wesen sich treffen und zueinander in Beziehung treten. Dies läuft der verheerenden Logik der westlichen Welt fundamental entgegen, in der Wissenschaft und Kapitalismus sich auf Produktion, Vetrieb und Anhäufung von Subjekten und Objekten stützen.

Vor diesem Hintergrund, stellt The Relative Naive zehn künstlerische Positionen vor, die sich jeweils in fünf Paaren gegenüberstehen. Die Ausstellung behauptet, dass sich in der einfachen Form dieser Begegnung tiefgreifende Transformationen ereignen können.
Die Arbeit des Künstlers Adrien Missika – selbst ein Wortspiel mit Eduardo Viveiros de Castro’s Essay “The Relative Native” – schenkt der Ausstellung ihren Titel und ist der Arbeit von Farkhondeh Shahroudi gegenübergestellt. Weitere Ausstellungspaare sind Hank Yan Agassi und Kathrin Sonntag, Lupo Borgonovo und Pedro Neves Marques, Jesse Darling und Jumana Manna, Ofri Lapid und Gabriel Rossell Santillán.

 

THE RELATIVE NAIVE

en/
The Relative Naive is an exhibition that explores exchange, communication, and translation between differing points of view. It is an artistic response to the work of Brazilian anthropologist Eduardo Viveiros de Castro, who has extensively engaged with Amerindian communities in Amazonia. His writing considers how indigenous thought challenges the violent dualisms central to Western “modernity” – nature and culture, human and nonhuman, observer and observed.

Viveiros de Castro’s core thesis is that within Amerindian cosmology, personhood is a matter of perspective. It is a transferrable form and an activity of negotiation. He calls this “Perspectivism,” a reconceptualization of the “human” beyond any specific embodiment. Human is a particular point of view, spread out between forms in the world. It only becomes apparent when forms meet and relate. This runs contrary to the devastating logic of the West, where both science and capitalism rely on the production and accumulation of subjects and objects.

With this in mind, The Relative Naive presents ten artistic positions placed into five pairings, emphasizing their relative perspectives. The project insists that within the simple form of this encounter, deep transformations occur. A work by Adrien Missika – itself a play on Viveiros de Castro’s essay “The Relative Native” – lends its title to the exhibition, paired with a piece by Farkhondeh Shahroudi. Further pairings include Hank Yan Agassi and Kathrin Sonntag, Lupo Borgonovo and Pedro Neves Marques, Jesse Darling and Jumana Manna, Ofri Lapid and Gabriel Rossell Santillán.

 

»The Relative Naive« ist eine Ausstellung der Reihe »Ausstellungen für ein spekulatives Publikum« im Jahresprogramm 2019 der galerie weisser elefant. Erarbeitet wurde die Reihe von einem Kuratorium, das sich aus Medien- und Kulturwissenschaftler*innen sowie Künstler*innen zusammensetzt. Das Programm bezieht sich auf die philosophische Strömung des Spekulativen Realismus, der einen offenen Blick auf die Wirklichkeit ins Zentrum der Betrachtung rückt, anstatt sich ausschließlich auf die menschliche Weltsicht zu beschränken.

»The Relative Naive« is part of the exhibition series »Ausstellungen für ein spekulatives Publikum« (Exhibitions for a Speculative Audience) in galerie weisser elefant’s program of 2019. The exhibition series was prepared by a curatorium consisting of Media and Cultural scientists as well as artists.

Mit Unterstützung durch Bezirkskulturfonds Mitte und Ausstellungsfonds für kommunale Galerien der Senatsverwaltung für Kultur und Europa.