Anja Gerecke – jenseits von eben Rauminstallation und Malerei 13. 09. – 11.10. 2014

Anja Gerecke – jenseits von eben
Rauminstallation und Malerei
13. 09. – 11.10. 2014

Anja Gerecke und Stefan Rummel leben und arbeiten in Berlin. Seit 2000 arbeiten sie neben ihrer eigenen künstlerischen Praxis in gemeinschaftlichen Projekten. Zuletzt zeigten sie die gemeinsame Arbeit „Tage-des-Geta“ 2013 auf der ART BASE Momoshima, Hiroshima, Japan und 2010 „Stadt-physis“ im Museum für Moderne Kunst – MAMAM, Recife, Brasilien.
Anja Gerecke realisiert im Innenraum der Galerie installative Malerei, mittels der sie die vorhandene Architektur durch temporäre Einbauten und Farbflächen erweitert und Stefan Rummel zeigt anlässlich der Artweek 2014 eine Klanginstallation im Hof und im Tordurchgang zur Galerie.

Anja Gerecke antwortet mit den Mitteln der Malerei auf spezifische Besonderheiten des Ortes. In der unmittelbaren räumlichen Erfahrung ihrer Arbeiten kommen Licht und Farbe, aber auch die Positionen und Wege der Betrachter zum Tragen. Gereckes Installationen offenbaren die Grundstimmung eines Raumes ebenso wie die durch die Nutzung eingeschriebenen Charakteristika.

Stefan Rummel
In seinen installativen Environments ist seit 1996 Klang ein wesentliches künstlerisches Material. Er entwickelt seine Arbeiten bewusst für bestimmte Orte bzw. Situationen. Dem voraus geht immer eine intensive Beschäftigung mit den realen Räumen, aus historischer, sozialer und architektonischer Perspektive.

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Anja Gerecke: Der erschlossene Raum.

Immer lässt Anja Gerecke dem Raum das letzte Wort. Aus gewöhnlichen Baumaterialien gestaltet sie begehbare Bilder. Die unmittelbaren Gegebenheiten der Galerie verwandelt sie in räumliche Formen zwischen Kunst und Architektur. Der Ausstellungs-Raum wird zum Erlebnisraum, dessen Koordinaten selbst das Objekt der Darstellung sind.
Die von ihr geschaffenen Schein-Räume sind virtuell verschlossen, aber gerade dadurch offen, solange man sie nur streift. Wer einen solchen Raum zu erschließen sucht, kann ihn trotzdem nicht betreten. Wem er sich verschlossen zeigt, für den ist er wie geschaffen. Dieser Raum wird interessant, weil er in dreifacher Hinsicht verstellt ist: verändert, verlagert und verwehrt. Das schier Gegensätzliche wird so zum konstituierenden Prinzip, als eine „legitime, paradoxe, aber dennoch sinnvolle Einheit“ *.
Man kann hier an Kafka denken, dessen Mann vom Lande von einem Wächter „vor dem Gesetz“ aufgehalten wird. Nach einer Ewigkeit des Wartens endlich fragt er diesen: „Wieso kommt es, dass in den vielen Jahren niemand außer mir Einlass verlangt hat?“ Und der Türhüter brüllt ihn an (um sein vergehendes Gehör noch zu erreichen): „Hier konnte niemand sonst Einlass erhalten, denn dieser Eingang war nur für dich bestimmt. Ich gehe jetzt und schließe ihn“.
Um des einen Besuchers willen – könnten wir ergänzen – der in einer solchen Installation den Weg ohne Zugang findet, einen Schritt in sein eigenes Inneres erkennt, für ihn ist dieser Raum bestimmt. Die Künstlerin ist wie der Torwächter, dessen einzige Funktion darin besteht, die Tür offen zu halten: für eine Vision, die ohne Vor-Stellung ist, aber auch Projektion im Sinne einer Beigabe, dem Hinzustellen einer Be/deutung, die sich aus der Sache selbst erschließt, intentional.
Ralf Bartholomäus

* Werner Beierwaltes, Identität und Differenz, Frankfurt a. M. 1982, S. 62

Projektbeschreibung:

Die Installation und Malerei wird in der Auseinandersetzung mit dem realen Ausstellungsraum entwickelt. Dafür werden unterschiedliche Materialien wie Farbe, Raufaserfarbe, Papier und Holz verwendet. Die Farbe wird in mehreren lasierten Schichten direkt auf die vorhandene Architektur und die eingebauten Wände und Objekte aufgetragen.
Die Ausstellung „jenseits von eben“ ist die Auseinandersetzung mit den Unebenheiten und der „Unvollkommenheit“ der Galerieräume: – im Gegensatz dazu stehen die planen/glatten Flächen der temporär installierten Konstruktionsplatten, die die Wege und Blickachsen in der Galerie neu ordnen. Die Arbeiten sind so angelegt, daß der Betrachter verschiedene Standpunkte einnehmen muß, um die Komplexität des Kunstwerks zu erfahren.
Anja Gerecke
Mit freundlicher Unterstützung durch die
Senatskanzlei Kulturelle Angelegenheiten
Ausstellungsfonds Kommunale Galerien.